Der Kuchenbasar


Was hast du in der Schwangerschaft gegessen?
Wie lange hast du gestillt?
Warum bist du nicht 2 Jahre in Elternzeit gegangen?
Kochst du die Möhrchen ab, bevor du sie deinem Kind zu essen gibst?
Ist das glutenfrei?

Ein Kennenlernen mit anderen Müttern ist wie ein Vorstellungsgespräch bei der Geheimeinheit der Weltsicherheitspolizist. Diese Stelle existiert nicht, aber Supermuttis haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese gesellschaftliche Lücke zu füllen. Darauf hat keiner gewartet, aber passiert ist es trotzdem.

Jahrelang habe ich gemacht, was man eben so tut.
Geburtsvorbereitungskurs, Babykrabbeln, Babyschwimmen, Stillberatung, Bastelnachmittage, Tanzen, turnen, Fahrrad fahren, Fußball, reiten.

Hier benötigt die Vereinsvorsitzende-Mutti Geld für T-Shirts. Da muss man sich für den Flohmarkt eintragen. Dort drüben hängt die Liste für das selbstgemachte Küchenbuffet zur Tanzveranstaltung.

Also am Sonntag nach meinem Dienst noch schnell einen Kuchen backen, die Küche mit Milch zu schütten, die Nachbarhäuser beginnen zu brennen. Montags direkt nach dem Dienst das Kind aus dem Hort abholen, in ein süßes Kleidchen stecken, zur Tanzschule hetzen und den halbwegs geglückten zu den anderen 16 selbstgemachten Kuchen auf die lange Tafel stellen.

Dann kam dieser lange, heiße Sommer im letzten Jahr und die Bad Mom in mir fing Feuer.

Warum musste ich ständig etwas selbst machen und nach den Aufführungen abwägen, wie gut ich es gemacht hatte? Wie viele Stücke Kuchen waren von meinem Kuchen weg? Warum war der Kuchen der anderen Mutti leer? Und warum eigentlich immer Kuchen? Ich hasse Kuchen!

In den Pausen beobachtete ich die Kinder, wie sie um die ganze Auswahl herum kreisten, aber nie richtig die Miene verzogen.

Der Sommer 2018 war heiß und lud zum Baden am See ein. Nichtsdestotrotz wurden die Kinder artig zu ihrer lang vorbereiteten Aufführung geschliffen. Ich kann aber von mir behaupten, dass ich mit einem zufriedenen Lächeln durch die Türen gegangen bin. Was ich in der Hand hatte?

Eine Schüssel mit halbherzig und ungleich groß geschnittenen Melonenstücken, sowie eine Tüte vom Discount-Bäcker, gefüllt mit Fertig-Brezeln.

Drei Tage zuvor rotierten meine Gedanken wie üblich um das bevorstehende Ereignisse, einen überfüllten Tanzsaal mit viel zu vielen Menschen und dem Anblick gestresster Mütter, die auf ihren hohen Absätzen durch die Tür stürzten und mit nur einer Hand den Regenbogenkuchen zum Buffett balancierten. Bei dem Gedanken daran platzte mir der Kragen. Mir war ganz klar: Darauf hatte ich keine Lust mehr und ich würde mich nicht mehr in ihrem ´Alles ist perfekt und natürlich sind 3 Kuchen backen kein Problem für mich. Alles Aufopferung für das Kind´ - Lächeln beugen.

Ich wollte etwas Frisches und Schnelles für die Kinder. Es. Mag. Nun. Mal. Auch. Nicht. Jeder. Kuchen.

Ich gebe es zu: Ich bin mit einem mulmigen Gefühl an diesem Nachmittag ins Auto gestiegen und habe mich klein gemacht, sobald die anderen Muttis mich schief angesehen haben.

Aber ratet mal, wessen Schüssel nach der Tanzpause zuerst leer war?

Richtig. Meine.

 

 Vielen Dank an Diana Charlie für diese Bad Moms Story!

 


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